Reproduktionsmedizin - Möglichkeiten und Grenzen

Es war einmal eine Zeit, in der die Menschen Hoffnungen setzten in den Fortschritt. Das klingt wie der Beginn eines Märchens. Das Märchen ist zu Ende. Was hat sich geändert?

Die Gesellschaft ist in den letzten 40 Jahren einem Wertewandel unterworfen, der durch den Verlust des Glaubens an den Fortschritt gekennzeichnet ist. Fortschritt ohne Preis ist nicht zu haben. Die Wohlstandsgesellschaft ließ Müllberge wachsen, die mobile Gesellschaft erstarrte im Stau, die überernährte Bevölkerung erkrankte an den Zivilisationskrankheiten. Mit diesen Bespielen ist die Befindlichkeit der Gesellschaft beschrieben, in der sich in den letzten Jahren die Reproduktionsmedizin entwickelte. Spektakuläre Erfolge in der Reproduktionsmedizin in Diagnostik und Behandlung der krankhaften Sterilität, aber auch Risiken und Missbrauchsmöglichkeiten wurden deutlich. Die Gesellschaft schwankt zwischen Angst und Zustimmung, zwischen Möglichkeiten und Gefährdung.

Es gibt kein menschliches Handeln ohne Risiko. Je komplizierter und anspruchsvoller eine Technologie ist, desto schwieriger wird es für einen Nichtfachmann, die Folgen abzuschätzen.

Die Stiftung für das behinderte Kind sieht es daher als ihre Aufgabe an, die neuzeitlichen Entwicklungen der Reproduktionsmedizin kritisch darstellen zu lassen, Gefährdungen der Entwicklung aufzuzeigen sowie Ärzte und Öffentlichkeit neben den spektakulären Erfolgsmöglichkeiten der Zukunft auch die Grenzen des Vertretbaren darzustellen. Dabei sollen nicht nur die Dinge zur Sprache kommen, die auch heute schon die tägliche Arbeit der Reproduktionsmedizin prägen, sondern auch die Visionen von morgen, wie das Klonen zur Bereitstellung von Organersatz. Es ist nicht zu bezweifeln, dass die Erfahrung zeigt, dass praktisch jede neue wissenschaftliche Technik zur Anwendungsreife gebracht werden kann, wenn sie im Prinzip erst funktioniert.

Die Debatte über Nutzen und Risiken der neuen Techniken muss die informierte Gesellschaft führen, die Antworten können die Ärzte nicht allein finden.

Zum Thema "Reproduktionsmedizin" erschien die Veröffentlichung:

Reproduktionsmedizin:
Möglichkeiten und Grenzen

J. W. Dudenhausen, E. Schwinger
Frankfurt/Main 2000
ISBN 3-921320-53-4

(Kostenlos erhältlich über das Bestellcenter der Stiftung für das behinderte Kind.)


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