Behinderung und mentale Retardierung
Alkohol- und Nikotinkonsum in der Schwangerschaft
Renate L. Bergmann, J.W. Dudenhausen
1. Studie: Verbreitung
Alkohol gilt als die in Industrienationen häufigste prävenible Ursache angeborener Defekte und mentaler Retardierung. Als Folge der Alkoholteratogenität finden sich neben dem fetalen Alkoholsyndrom (FAS) auch weniger ausgeprägte zerebrale Dysfunktionen und isolierte intrauterine sowie postnatale Wachstumsdefizite. In der Bundesrepublik fehlen genaue Informationen zur Verbreitung des Alkoholkonsums bei Schwangeren, und es gibt keine evaluierten Maßnahmen zur Entwöhnung bei Schwangeren.
Fragebogen mit validierter Fragen zu Alkohol- und Nikotinkonsum und -abhängigkeit wurden in den Jahren 2001 bis 2002 von 310 Schwangeren (meist der 21.-30. Gestationswoche) in 48 repräsentativen Berliner Frauenarztpraxen ausgefüllt, und es wurden Biomarker für den Alkohol- sowie Nikotinkonsum gemessen, nämlich CDT, -GT, MCV aus einer Serumprobe und Cotinin aus einer Urinprobe.
Mehr als die Hälfte der befragten Schwangeren gab an, seitdem sie von ihrer Schwangerschaft wussten, Alkohol getrunken zu haben, allerdings 78,5 % dieser Frauen höchstens einmal im Monat, 15,8% zwei bis viermal monatlich und 5,7% mindestens wöchentlich. Nur 6% tranken dabei über 3-4 Portionen. Dem entsprach das Vorkommen erhöhter Werte bei den Biomarkern, nämlich 2,3% bei CDT, 2% bei -GT GGT und 5,5% bei MCV. Dagegen rauchten 24% der Schwangeren zum Zeitpunkt der Befragung, bei 32% fanden sich erhöhte Cotininwerte.
2. Studie: Nikotinentwöhnung
Da die Verbreitung des Nikotinkonsums der Schwangeren so viel höher ist als die des Alkoholkonsums und Nikotin ebenfalls ein Risikofaktor für die mentale Retardierung von Klein- und Schulkindern sowie für das Hyperaktivitätssyndrom ist, sollen zunächst wirksame Methoden zur Nikotinentwöhnung entwickelt werden. Es wurden Faltblätter mit Motivations- und Entwöhnungsratschlägen für die Frauenärzte entwickelt und verteilt. Nikotinentwöhnungsseminare für Schwangere hatten in dieser Klinik Entwöhnungsraten bis zu 65%, aber eine hohe Rückfallquote erzielt. Ein weiteres Programm soll deshalb entwickelt und evaluiert werden, das die Langzeit-Compliance durch die Verwendung von Akupunktur (20 Sitzungen) steigert.
