Die Geschichte der Stiftung für das behinderte Kind

Die Stiftung für das behinderte Kind wurde am 12. Juni 1967 in Bad Godesberg gegründet. Der Anstoß zur Einrichtung einer solchen Institution war vorwiegend aus dem Kreis der Förderer des Deutschen Grünen Kreuzes gekommen.

Im Vordergrund stand der Gedanke, mit dieser Einrichtung den Kindern, die durch die Thalidomid-Katastrophe in den 60er Jahren geschädigt waren, rasche und unbürokratische Hilfestellung zu geben. Satzungsgemäß wurde daneben die Förderung körperlich und geistig behinderter Kinder festgelegt und die Aufgaben dahingehend rezensiert, dass im Rahmen der Behindertenhilfe die Bereiche Prävention, Früherkennung und Frühbehandlung Vorrang haben.

Diese Interpretation mit weitgehender Beschränkung auf Prävention und Früherkennung stellte seinerzeit etwas grundsätzlich Neues dar: Es war seit langem die Aufgabe der Wohlfahrtsverbände, karitative Hilfe bei Behinderungen zu leisten, während der Gedanke der Prävention am behinderten Kind nur sehr zögernd hatte an Boden gewinnen können; dementsprechend hatte sich bis dahin noch keine Institution der Förderung von Prävention und Früherkennung angenommen.

Die Stiftung für das behinderte Kind ist eine gemeinnützige Einrichtung. Ihre Mittel rekrutieren sich ausschließlich aus freiwilligen Zuwendungen und zwar aus Spenden. Als ihre Organe fungieren ein Kuratorium und der Vorstand. Das Kuratorium setzt sich aus ca. 10 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und anderen am Stiftungsgedanken interessierten Berufen zusammen. Kuratorium und Vorstand sind ohne Verwaltungsapparat ehrenamtlich tätig. In den ersten Jahren nach ihrer Gründung galt die Stiftungsarbeit der Einrichtung und Mitfinanzierung von Zentren zur speziellen Früherkennung und Frühbehandlung, ebenso auch der Förderung von Einzelprojekten der Forschung.

Als Beispiele hierfür seien genannt:

  • eine Sonderschule für Dysmelie-Kinder in München
  • ein Forschungs- und Behandlungszentrum für frühkindliche Hirnschäden in Düsseldorf
  • eine Privatschule für taubblinde Kinder in Hannover
  • ein Heim für schwerstgeschädigte Dysmelie-Kinder in Neckargemünd
  • Förderungsmaßnahmen zur Berufsausbildung körperbehinderter und geistig behinderter Kinder
  • Förderung der Ausbildung von Heilpädagogen
  • Starthilfe für das Kinderzentrum München
  • Einrichtung der frühdiagnostischen und frühtherapeutischen Behandlungsstellen in Frankfurt-Höchst sowie ein überregionales, interdisziplinäres Forschungsprojekt von Medizinern, Psychologen, Pädagogen und Soziologen über die körperliche, geistige und soziale Entwicklung der sogenannten "Contergan-Kinder" 

Die Stiftung dient heute der Förderung von Maßnahmen der Vorsorge, Früherkennung und Frühbehandlung von körperlichen und geistigen Behinderungen. Sie hat im Rahmen dieser Zweckbestimmung insbesondere die Aufgaben,

  • die wissenschaftliche Forschung und Erprobung von Methoden der Früherkennung und Frühbehandlung anzuregen, um vorgeburtliche Schäden sowie unter der Geburt oder später entstandene Behinderungen zu verhüten
  • die Einrichtung von frühdiagnostischen Untersuchungs- und Beratungsstellen sowie die ärztliche Fortbildung zu fördern
  • die Verbreitung wissenschaftlicher Informationen sowie die Aufklärung der Öffentlichkeit auf diesem Gebiet zu übernehmen, und die Betroffenen für die Inanspruchnahme der angebotenen Hilfe zu gewinnen
  • Maßnahmen und Bestrebungen zu unterstützen, die geeignet sind, Schäden von Kindern abzuwehren und zu verhüten 

Unter dem Aspekt der Präventivmedizin gilt heute das Hauptbemühen der Stiftung der Prävention von angeborenen Behinderungen durch Vorsorge und Früherkennung. 

2010 hat die Stiftung mit Unterstützung von ‚Ein Herz für Kinder’ ein ‚Zentrum für Menschen mit angeborenen Alkoholschäden’ in Räumen der Charité gegründet. Diese Einrichtung wurde dringend benötigt, da die Diagnostik des angeborenen Alkoholschadens beim Kind (FASD, fetales Alkoholsyndrom) in Deutschland nicht genügend bekannt war und ist. So konnten Diagnostik und erste Hilfe betroffener Kinder und Erwachsener durch Spezialisten wie Prof. Hans-Ludwig Spohr im Sinne einer Starthilfe von der Stiftung etabliert werden. In jedem Jahr werden dort etwa 250 Kinder aus ganz Deutschland begutachtet und beraten.

Nachdem die ärztlichen Leistungen des Zentrums von den Krankenkassen anerkannt und in den Erstattungskatalog aufgenommen wurden, wurde das Zentrum Anfang 2014 gesplittet und der kinderdiagnostische Teil in das SPZ der Charité, der Teil für erwachsene Betroffene in den ‚Sonnenhof’ in Spandau überführt werden. Damit kann sich das Zentrum vermehrt der primären Prävention angeborener Alkoholschäden zuwenden. Dies erscheint besonders wichtig, da durch Aufklärung und präventive Maßnahmen wie zum Beispiel Entwöhnung eine komplette Vermeidung von Alkoholschäden möglich ist.