Symposium der Stiftung für das behinderte Kind

„Anämie der Schwangeren und des Feten“.

59. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe

 12. Oktober 2012, München

Programm
Leitung und Moderation der anschließenden Diskussion: Joachim W. Dudenhausen, Qatar/Berlin
F. Kainer, München: Anämie des Feten – Ursachen, Diagnose und Therapie
L. Gortner, Homburg/Saar: Anämie der Schwangeren – Folgen für das Kind
C. Breymann, Zürich: Anämie der Schwangeren – Ursachen, Diagnose, Langzeitfolgen
W. Kirschner, Berlin: Epidemiologische Daten zur Anämie der Schwangeren

Mit dem Symposium „Anämie der Schwangeren und des Feten“ im Rahmen des DGGG-Kongresses richtete die Stiftung für das behinderte Kind gemäß ihres Auftrages, Vorsorge und Früherkennung zu fördern, ihr Augenmerk auf ein meist unterschätztes Problem, nämlich die langfristigen Folgen dieser Mangelzustände für das Kind. Anämie von Mutter und Kind – vor allem aufgrund von Eisenmangel - während und nach Schwangerschaft und Geburt sind häufige Ursache von Fehl- oder Frühgeburten und gravierenden Gesundheitsproblemen. Dieser Mangelzustand wird häufig nicht oder zu spät erkannt, da in Übereeinstimmung mit den Mutterschafts-Richtlinien bei den betreuenden Hausärzten und Frauemärzten nach wie vor die Meinung vorherrscht, Eisenmangel und Anämie ließen sich alleine durch Bestimmung des Hämoglobinwertes diagnostizieren. Tatsächlich müssen aber auch die Ferritinwerte im mütterlichen Blut bestimmt werden.

Epidemiologische Daten zur Anämie der Schwangeren
Wolf Kirschner (Forschung, Beratung + Evaluation, Berlin) präsentierte epidemiologische Daten aus Europäischen Erhebungen:
22% der Frauen in Europa haben bereits vor der Schwangerschaft Eisenmangel, 4% eine Eisenmangelanämie, in der Schwangerschaft haben 49% einen Mangel, 11% eine Anämie durch Eisenmangel. Seiner Schätzung nach, die auf statistischen Literaturauswertungen beruht, sind in Deutschland etwa 9400 Frühgeburten pro Jahr anämiebedingt.

Anämie der Schwangeren – Folgen für das Kind
Ludwig Gortner (Univ.-Kinderklinik, Homburg/Saar) zeigte, dass neben Frühgeburt und niedrigem Geburtsgewicht (intrauterine Wachstumsrestriktion) auch eine Beeinträchtigung der kognitiven Entwicklung des Kindes durch Eisenmangel bzw. Eisenmangelanämie verursacht werden kann.
Die von ihm präsentierten Follow-up-Studien zeigen, dass solche Mangelerscheinungen durch eine Eisensubstitution spätestens in der frühen Schwangerschaft, besser noch vor einer geplanten Schwangerschaft verhindert werden können.

Anämie der Schwangeren – Ursachen, Diagnose, Langzeitfolgen
Christian Breymann (Univ.-Frauenklinik Zürich) präsentierte Richtlinien für die Substitution von Eisen zur Prävention und Therapie in der Schwangerschaft. Er wies ausdrücklich darauf hin, dass entgegen der in Deutschland üblichen Praxis bei einem stärker erniedrigten Hämoglobin- bzw. Ferritin-Wert eine intravenöse Behandlung in Betracht gezogen werden sollte.

Anämie des Feten – Ursachen, Diagnose und Therapie
Franz Kainer (Univ.-Frauenklinik München) gab einen Überblick über die Möglichkeiten eine Anämie des Feten intrauterin zu diagnostizieren und zu therapieren.

Insgesamt wurde deutlich, dass in Deutschland zu wenig über das Problem Eisenmangel und Anämie speziell in der Schwangerschaft gesprochen wird.
Die Stiftung für das behinderte Kind empfiehlt
- die Ferritinbestimmung neben der regelmäßigen Bestimmung der Hämoglobinwerte in die ärztlichen Richtlinien zur Schwangerenberatung in Deutschland aufzunehmen und
- die Patientinnen über die richtig dosierte Eisen-Substitution vor und in der frühen Schwangerschaft verstärkt zu informieren.

Download der Präsentationen:
F. Kainer: Anämie des Feten – Ursachen, Diagnose und Therapie
L. Gortner: Anämie der Schwangeren – Folgen für das Kind
C. Breymann: Anämie der Schwangeren – Ursachen, Diagnose, Langzeitfolgen
W. Kirschner: Epidemiologische Daten zur Anämie der Schwangeren

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