A. Plagemann, J.W. Dudenhausen:

Adipositas als Risiko in der Perinatalmedizin 

Die wachsende Epidemie der Übergewichtigkeit und der Adipositas in unserer Gesellschaft ist ein großes medizinisches Problem geworden, das sowohl wichtige soziale und psychologische Konsequenzen als auch somatische Gesundheitsrisiken zur Folge hat.

Adipositas als Risiko in der Perinatalmedizin
A. Plagemann, J.W. Dudenhausen
München 2010
ISBN 978-3-89935-269-6

Inhalt

1. Mütterliches Übergewicht: Folgen für das Neugeborene?
Martin Wabitsch
2. Ätiologie des Adipositas
Alfred Wirth
3. Fertilitätsstörungen bei übergewichtigen Frauen
Tim Cordes, Klaus Diedrich, Askan Schultze-Mosgau
4. Pränatale Detektion fetaler Makrosomie
Christian Bamberg
5. Geburtshilfliche Komplikationen bei mütterlicher Adipositas bzw. fetaler Makrosomie
Joachim W. Dudenhausen
6. Schwangerschaftsrisiko Adipositas – Konsequenzen für das Neugeborene
Ludwig Gortner
7. Adipositas und perinatale Programmierung
Thomas Harder, Elke Rodekamp, Karen Schellong, Joachim W. Dudenhausen, Andreas Plagemann
8. Langfristiges Wachstum des makrosomen Neugeborenen – Tracking und Prognose
Renate L. Bergmann, Karl E. Bergmann, Joachim W. Dudenhausen
9. Ernährung in Schwangerschaft und Stillperiode bei mütterlichem Übergewicht
Hans Hauner
10. Bewegung in Schwangerschaft und Stillperiode bei mütterlichem Übergewicht
Ulrike Korsten-Reck

Vorwort

Die wachsende Epidemie der Übergewichtigkeit (Body-Mass-Index ≥ 25 kg/m²) und der Adipositas (BMI ≥ 30 kg/ m²) in unserer Gesellschaft ist ein großes medizinisches Problem geworden, das sowohl wichtige soziale und psychologische Konsequenzen als auch somatische Gesundheitsrisiken zur Folge hat.

Etwa 30% der Frauen im reproduktionsfähigen Alter sind übergewichtig oder sogar adipös. Auch aus globaler Sicht ist die Übergewichtigkeit ein Problem der reproduktiven Medizin geworden: Sie hat kritische Konsequenzen für die Fertilität, die mütterliche Gesundheit in der Schwangerschaft, während der Geburt und im Wochenbett sowie entscheidende lebenslange Konsequenzen für das Kind.

Die veränderte Insulinempfindlichkeit scheint das zentrale Problem bei Übergewicht und Adipositas in der Schwangerschaft zu sein und beeinflusst die Versorgung des Feten. Viele Komplikationen in der Schwangerschaft wie Bluthochdruck, Präeklampsie und Gestationsdiabetes sind sehr viel häufiger. Die Rate der operativen Entbindungen steigt beträchtlich und die Risiken für den Feten inklusive einer erhöhten perinatalen Mortalität und der Makrosomie mit geburtsmechanischen Folgen wie der Schulterdystokie sind entscheidend. Geradezu alarmierend sind Beobachtungen und Zahlen, die auch eine erhöhte Rate von Übergewichtigkeit und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen infolge Übergewichts während der Schwangerschaft beschreiben („Tracking“, „Programming““).

Die überblickartigen und evidenzgestützten Darstellungen dieses Buches, aufbauend auf einem Symposium der „Stiftung für das behinderte Kind – Förderung von Vorsorge und Früherkennung“ im Mai 2009, stehen im zentrum der präventiven Arbeit der Stiftung. Eine primäre Prävention durch Verminderung der Komplikationen von Übergewicht und Adipositas der Mutter für die mütterliche, fetale und kindliche Gesundheit ist möglich. Sie kann vor allem durch eine Normalisierung des prägraviden Gewichts erreicht werden, ist aber auch durch einen bewusst und gezielt gesunden Lebensstil (Ernährung, Bewegung) während der Schwangerschaft positiv zu beeinflussen.

Berlin, New York, im August 2010

Andreas Plagemann, Joachim W. Dudenhausen