09.06.2010, RBB

Schwanger? Hände weg vom Alkohol!

Von  :
Filmbeitrag: Ursula Stamm
Infotext: Constanze Löffler

Was früher tabu war, gilt heute längst nicht mehr für alle. Jede zweite Schwangere trinkt gelegentlich oder auch öfter Alkohol. Mitunter raten sogar Ärzte bei Schlafstörungen oder niedrigem Blutdruck zu einem "Gläschen in Ehren".

Das ungeborene Kind trinkt jedes Mal mit, wenn die Mutter einem Glas Wein nicht widerstehen kann. Die Folgen können verheerend sein. Über die Plazenta (Mutterkuchen) gelangt der Alkohol in den Blutkreislauf des Kindes und entfaltet seine giftige Wirkung: bei der Entwicklung wichtiger Organe und vor allem am Gehirn. So werden jedes Jahr 3000 bis 4000 Kinder mit einer geistigen Behinderung geboren. Einem Teil dieser Kinder sieht man die Alkoholschäden auf den ersten Blick an: kleiner Körperwuchs, ein kleiner Kopf, veränderte Gesichtszüge. Außerdem leiden viele an einem Herzfehler. Andere Kinder erscheinen dagegen zunächst unauffällig. Das erschwert es Eltern und Ärzten, einen Zusammenhang zwischen den Lernschwierigkeiten oder Verhaltensauffälligkeiten des Kindes und dem Genuss von Alkohol in der Schwangerschaft herzustellen.

Klare Grenzen, wie viel Alkohol in der Schwangerschaft welche Folgen für das ungeborene Kind hat, gibt es nicht. Eine Frau muss keinesfalls in Panik verfallen, wenn sie geringe Mengen Alkohol getrunken hat, solange sie von der Schwangerschaft nichts wusste. Aber ist diese bekannt, ist es am sichersten, ganz zu verzichten.
Die "Stiftung für das behinderte Kind“ der Berliner Charité möchte jetzt mit der Kampagne "Mein Kind will keinen Alkohol“ die Bevölkerung für das Thema sensibilisieren. Neben dem Anliegen, das Thema einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren, bietet das Projekt konkrete Hilfsangebote: So beraten Ärzte und Hebammen in einer Spezial-Sprechstunde in der Charité Schwangere mit Alkohol- und Suchtproblemen. Familienhebammen kommen zu diesen Frauen nach Hause und bieten eine Vorort-Betreuung an. Ein seit Jahrzehnten mit der Problematik befasster Kinderarzt berät und untersucht Kinder, die möglicherweise ein fetales Alkoholsyndrom erlitten haben.

Die Kampagne wendet sich vor allem an Frauen, die trotz Schwangerschaft ab und zu Alkohol trinken und die Gefahr des Zellgiftes unterschätzen. Doch die Mediziner der Charité haben auch ihre Kollegen im Blick: Denn es sind immer wieder Ärzte, die Schwangeren zu einem Glas Prosecco raten, wenn diese etwa Einschlafprobleme haben oder unter einem niedrigen Blutdruck leiden. Dabei sollten gerade die Ärzte das ungeborene Leben schützen. Allein das Kind muss später mit den Folgen ein Leben lang zurecht kommen.

Den Film zu diesem Artikel können Sie hier ansehen: Film "Schwanger? Hände weg vom Alkohol!"

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