10.09.2010, BILD

Janosch* ist behindert, weil seine Mutter getrunken hat

Berlin – Er war noch nicht geboren und schon zum Scheitern verurteilt. Schuld ist der Alkohol, den Janosch* nicht getrunken hat.

Der Junge ist 5, doch mindestens ein Jahr zurück. Er schreit, tobt, ist ständig krank. Er macht es seiner Pflegemutter nicht leicht. Doch Katrin Büchner* (44) weiß, dass er nichts dafür kann. Janosch ist behindert, leidet unter dem Fetalen Alkoholsyndrom (FASD).
Seine richtige Mutter war minderjährig. Rauchte, trank viel Alkohol. Erst im 6. Monat erfuhr sie von dem Baby. Da war es zu spät.

„Alkohol schädigt die Gehirne von Babys im Mutterleib“, erklärt Dr. Heike Hoff-Emden (49), Kinderärztin im FASD-Zentrum der Charité. „Er zerstört Nervenzellen unwiderruflich.“ Als Erwachsene finden 9 von 10 keinen Job, haben psychische Probleme, werden oft selbst zu Eltern, die trinken.

Janoschs Mutter gab das Sorgerecht ab. Jetzt kümmert sich Katrin Büchner liebevoll um ihn. „Es ist eine große Belastung“, sagt die Erzieherin. „Er braucht einen ganz routinierten Alltag. Urlaub ist anstrengend, Babysitter unmöglich.“ Mit 5 können andere bis 100 zählen, ihren Namen schreiben. Janosch nicht. In der Kita ist er hibbelig, schlägt um sich, wird ausgegrenzt. Janosch steht vor seiner Pflegemama und will Spielzeug. „Geh raus in den Flur“, sagt sie, „in den Schrank, oberste Schublade.“ Janosch geht. Und kommt ohne Spielzeug wieder. Er hat vergessen, was er tun sollte.
* Namen geändert

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